
In einer Sonderausstellung des Limburgs Museum in Venlo werden von Mai bis November 2006 archäologische Spitzenfunde aus den Niederlanden, Belgien und dem deutschen Grenzgebiet zum Thema Kelten gezeigt. Die Veranstalter weisen darauf hin, dass dies die erste und wohl auch letzte Ausstellung dieses Umfanges zum Thema in den Niederlanden sein wird.
Und genau daran knüpft der Eingangsbereich der Ausstellung an: Bücher über „keltische“ Astrologie, Mystik und Symbolik werden gezeigt, Schmuck, Met und Mandala-Malblöcke. An einem „Musik-Megaliten“ kann man sich Ausschnitte vermeintlich "keltischer“ Musik vorspielen lassen, angefangen von den Klängen einer Carnyx, über typisches Irish Folk und Enyas Synthesizer-Pop bis hin zu „keltischem“ Heavy Metall. Wer will, kann sich mit verschiedenen bereitliegenden Stempeln ein keltisches Muster „tätowieren“, während einem von den Stellwänden schottische Celtic-Fußballfans, „Bravehart“-Statisten und neuheidnische Druiden in weißen Gewändern zusehen.
Weiter geht's in der Ausstellung zu den einzelnen Fundstücken, vorbei an einer Konstruktion, die an eine Säule in einem Brunnen erinnert. In dieser Säule sieht man plastische Hologramme der einzelnen Teilansichten des Silberkessels von Gundestrup und bekommt Informationen zu den mythologischen Hintergründen der Szenen.
Wer möchte, kann sich aus einer Truhe mit Fellen, Helmen, karierten Umhängen und anderen Requisiten das passende heraussuchen, um sich zusammen mit dem „Fürsten von Oss“ von einer Webcam photographieren lassen, und sich in der elustren Gesellschaft später im Internet bewundern. Wem das zu albern ist, der kann sich aus einer anderen Kiste mit Schafswolle und Handspindeln bedienen, um zu versuchen es damit der Bäuerin gleichzutun, die auf der anderen Seite der Halle spinnend neben ihrem Mann sitzt, der sich gerade eine Schaufel genommen hat, um aufs Feld zu gehen.
Den Bronzespiegel aus Nimwegen fanden Schatzsucher 1928 in einem Grab zusammen mit einer gläsernen Urne, Scherben, Holz und Knochenasche. Die Glasurne ließ sich auf etwa 100 bis 150 nach Christus datieren. Der bronzene Spiegel weist eine typische geometrische Verzierung auf, sein Griff ist mit roter Emaille eingelegt. Der Spiegel wurde in England hergestellt, auf dem Festland hat man bisher nur einen einzigen gefunden, nämlich den von Nimwegen!
Im Jahre 1933 fand man in der Nähe von Oss den größten Grabhügel der Niederlande. Es wurde ein bronzener Eimer ausgegraben, der menschliche Aschereste enthielt und ein gekrümmtes Schwert mit goldenen Einlegearbeiten. Außerdem enthielt der Eimer noch Mundstücke eines Zaumzeuges, Waffen und verschiedene Werkzeuge. Es muß sich also um das Grab eines bedeutenden Mannes gehandelt haben.
Während des Braunkohleaabaus bei Hambach wurde in der Nähe Niederziers von Archäologen ein befestigtes Dorf ausgegraben. Zu ihrem Erstaunen entdeckten sie einen Goldschatz: ein irdener Topf, in dem ein Armband lag, zwei Halsringe und 46 Münzen. Die Ringe sind teilweise doppellagig. Die Münzen datieren aus den Jahren 75 und 70 vor Christus. Man fand den Topf in einer Mulde, an einer Stelle, wo vermutlich ein großer Kultpfahl gestanden hatte.
Um 1840 fand ein anonymer Torfstecher im limburgischen Moorgebiet „De Peel“ bei Helden eine vergoldete Silberscheibe. Auf der Scheibe ist ein Mann abgebildet, der mit einem Löwen kämpft. Drumherum sieht man einen Widder, zwei Löwen, zwei Hunde und den Kopf eines Rindes. Es handelt sich um einen Schmuckgegenstand, der vermutlich in Thrakien, einem Landstrich im heutigen Bulgarien/ Rumänien, angefertigt wurde. Die Scheibe war ursprünglich Teil eines Schildes. Wie und als was ihr keltischer Besitzer es nutzte, ist nicht klar, vielleicht als Teil seiner Kleidung, um seinen Rang zu verdeutlichen. Ihren Weg ins Moor fand die Scheibe vermutlich als Opfer.
Eine der ausgestellten Tonstatuetten ist diese in Baarlo gefundene Abbildung einer weiblichen, reitenden Gottheit aus der Zeit von ca. 100 v. Chr – 100 n Chr, die Epona geweiht ist. Weitere interaktive Möglichkeiten bietet ein Terminal, an dem man sein Wissen zeigen (bzw. sich belehren lassen) kann, was die Zuordnung von keltischen Worten, die sich in modernen Sprachen wiederfinden lassen, betrifft. Ebenfalls zu diesem Thema erklärte ein niederländischer Museumsführer anhand der Inschrift des Weihesteins eines 'negotiarius salarius', eines Salzhändlers, dass „salarius“ (lat. adj. salz-) deswegen mit Gehalt (dt. Salär: Beamtenlohn, eng. Salary, franz. salaire) zusammenhängt, da früher römische Soldaten und Beamte auf Reisen mit Salz entlohnt wurden, was erst in späterer Zeit in Münzen ausbezahlt wurde.
Interessant war auch eine Tafel, auf der Pfostenlöcher markiert waren, die Spuren also, die Archäologen meist als einzigen Hinweis zur Rekonstruktion einer Ansiedlung haben. Zu den Pfostenlöchern gab es Gebäudemodelle, die man den passenden Pfostenlöchern zuordnen konnte, um so den Schritt der Rekonstruktion nachzuvollziehen. Am Ende der Ausstellung, wird noch einmal auf die Rezeption der Kelten eingegangen, die diese in den letzten Jahrhunderten erfahren haben.
Kurz wird auf Fehl-Interpretationen und Nachahmungen mancher keltischer Stücke aus dem 19. Jh. - Rekonstruktionen und Kopien von Statuen, Weihesteinen und Schwertern - eingegangen, zudem Bilder des niederländischen Malers Barend Wijnveld gezeigt, auf denen ein schnauzbärtiger Bataverfürst in der Manier des berühmten Vercingetorix-Denkmals in Frankreich von seinen Gefolgsleuten auf einen Schild gehoben wird, und der typische weißgewandete, rausche-bärtige Druide zu der Menge spricht. Wer dann noch wollte, konnte vor dem Gehen ein Stück Stoff mit einem Wunsch an die Götter beschriften und an die Zweige eines "Opferbaumes" knüpfen. (Natürlich erst, nachdem man vorher seinen persönlichen Baum anhand des "keltischen" Baumhoroskops bestimmt hatte). Wer dann immer noch nicht genug hatte von (vermeintlich) Keltischem, konnte im Museumsrestaurant eine wohl "urkeltische" Lauchcremesuppe mit Huhn und Pflaumen essen, oder im Museumsshop eine ebenfalls urkeltische Elfenstatue aus Polystone kaufen.
Alles in allem: Eine interessant und abwechslungsreich präsentierte Ausstellung mit vielen "Gimmicks" und wunderschönen Fundstücken! Sie stellt zwar den Anspruch an den Besucher, wirklich auch mal genauer zu gucken und zu lesen, um nicht nachher zu sagen: "Ich war letztens im Museum, da haben die was über das keltische Baumhoroskop gehabt, deswegen muß das ja wirklich keltisch sein, und keine Erfindung der Neuzeit!!!" Aber so viel Interesse am Eintauchen in die Materie wird jemand, der immerhin die Zeit erübrigt, einen Nachmittag einem Museumsbesuch zu widmen, sicherlich mitbringen.
Text: Daniela M.; Photos: Daniela M., H. Kaiser